TOKIO Der japanische Elektronikkonzern NEC Corp behauptet, im Besitz die zentraler Patente für Erzeugung und Einsatz von Kohlenstoff-Nanoröhren zu sein. Jedes Unternehmen, das weltweit solche Röhrchen herstellen wolle, müsse deshalb mit NEC Verhandlungen aufnehmen, um die nötigen Lizenzen zu erhalten.
Der Sumitomo Corporation habe NEC bereits eine solche Lizenz ausgestellt, teilt NEC mit. Es handele sich um eine nicht-exklusive Lizenz gemäß japanischer Patente.
"NECs Patentrechte über Carbon Nanotubes, unter denen Sumitomo eine Lizenz von NEC erworben hat, sind grundlegend", teilte NECs oberster Patentverwalter Botaro Hirosaki in einer Presserklärung mit. "Um das Recht zu erwerben, Carbon Nanotubes herzustellen oder zu verkaufen, muss daher jeder Interessent eine Lizenz von uns beziehen".
Carbon-Nanotubes oder, auf deutsch, Kohlenstoff-Nanoröhren gibt es in einwandiger und mehrwandiger Ausführung. Wegen ihrer revolutionären Eigenschaften gelten sie als extrem zukunftsträchtiges Material. Unter anderem lassen sie viel höhere Stromdichten zu als normale Halbleiter und bieten damit den Schlüssel zu einer weiteren drastischen Verkleinerung der Halbleiterstrukturen weit über das mit Silizium oder Germanium Machbare hinaus. Erst kürzlich war es Infineon gelungen, die Röhrchen im Laborversuch als aktives Material für Leistungsschalttransistoren zu nutzen (siehe Bericht vom 23. Februar). Nun behauptet NEC, ein Top-Wissenschaftler namens Sumio Iijima habe die Carbon-Nanotubes bereits 1991 für den japansichen Konzern entdeckt.
"NEC arbeitet proaktiv an der Entwicklung industrieller Applikationen für Carbon-Nanotubes. Nachdem wir nun den ersten Lizenzvertrag für dieses Material mit Sumitomo abgeschlossen haben, sind wir bereit, im Rahmen unserer Patente anderen Interessenten ebenfalls Lizenzen zu den gleichen Bedingungen zu erteilen", ließ Hirosaki weiter wissen.
Während die Branche über die Rechtmäßigkeit des NEC-Anspruchs ebenso rätselt wie über die Lizenzbedingungen, reibt man sich bei Sumitomo bereits die Hände. "Die genannten Lizenzen versetzen uns in die Lage, einen Beitrag zur industriellen Entwicklung und Nutzung von Carbon Nanotubes zu leisten und verschaffen und einen großen Vorsprung vor der Konkurrenz", erklärte der Chef von Sumitomos Elektronics Division, Yutaga Takagi. Dem Manager zufolge kann das Unternehmen mit dem Vertrag in den USA einwandige Nanoröhren herstellen.